Das Abenteuer Beikost beginnt

Der Übergang von Milch zu fester Nahrung ist aufregend für die ganze Familie und soll allen Spaß machen. Wir freuen uns, dass wir dich und deine Familie auf diesem Weg ein kleines Stückchen begleiten dürfen.
In unserem Artikel geht es um die Möglichkeiten der veganen Beikost von Kleinkindern und deren Eltern, die dabei entspannte und gut informierte Wegbegleiter sein dürfen. Wir freuen uns, dass wir auf diesem Weg und dem spannenden Thema auch ein Stückchen mit euch gehen dürfen.
Hier schon mal einige spannende Themen, durch die wir mit dir in diesem Artikel gehen werden:

  • Beikost = Breikost? Muss es Brei sein?
  • Was genau braucht mein Kind? – Die Nährstoffversorgung
  • Welcher Babybrei ist für welches Alter geeignet?
  • Baby Led Weaning als Alternative zu Brei

Wie schön, dass dich das Thema vegane Beikost interessiert. Vielleicht ernährst du dich selbst komplett oder zu Teilen pflanzenbasiert und fragst dich nun, wie du das auch für dein Kind umsetzten kannst und es mit allem versorgt ist, was es so braucht. Genau so ging es uns auch bei unserem Kleinen.
Die ersten Monate flogen nur so an uns vorbei, vielleicht kennst du das. Das Füttern durch Stillen oder Flaschengabe nimmt so viel Energie, Zeit und vielleicht auch Nerven in Anspruch, dass das Thema Beikost sich so plötzlich und groß wie ein Berg auftut. So war es zumindest bei uns.
Vorher war das Baby durch die Milch einfach zu jeder Zeit gut versorgt. „Was braucht mein Baby dann eigentlich so an Nährstoffen? Und kriege ich das nur mit Pflanzen überhaupt abgedeckt und welche sind das dann?“ waren Fragen, um die sich plötzlich alles drehte.

Darf man Babys überhaupt vegan ernähren?

Vielleicht gehörst du auch wie wir zu den Eltern, die noch keinerlei Erfahrungen bei dem Übergang zur Beikost haben und alles, was du weißt, von Freunden oder aus Büchern ist.
Unser erstes Kind, gerade 5 Monate alt, sollte nun also laut Entwicklungsbüchern die Welt der festen Nahrung entdecken.
Dazu kam von außen das ein oder andere Mal die Frage „Ach, und euer Baby ernährt ihr jetzt auch vegan???“ Das kommt dir vielleicht auch bekannt vor, wir haben sie nämlich oft gestellt bekommen. Wenn auch nicht direkt gestellt, steht sie doch gern mal wie ein Elefant im Raum, wenn es um deine pflanzenbasierte Ernährung geht und auf das Thema Kinderernährung zusteuert.


Vielleicht stellst du dir die Frage auch selbst immer mal wieder. Mit der Umstellung auf Beikost kommen natürlich viele Fragen zur Nährstoffversorgung auf, gerade bei einer veganen Babyernährung. Das ist völlig okay, du möchtest schließlich alles richtig machen. Die Beikost-Einführung bedeutet für dich und dein Baby eine neue Ära. Seit der Geburt deines Babys ist es optimal durch die Muttermilch oder die Säuglingsnahrung versorgt, was sich nun langsam ändert.
Um auf die ursprüngliche Frage zurück zu kommen: Die Antwort ist ja. Du kannst deinen Schützling vegan ernähren, wenn du ein paar Dinge im Auge behälst. Die rein pflanzliche Ernährung ist für Kinder, wie für Erwachsene, dann möglich, wenn sie gut geplant ist, damit alle Nährstoffe und auch die zugeführte Energie für den jeweiligen Entwicklungsschritt ausreichend ist.
Auch laut Zentrum der Gesundheit bringt es Vorteile mit sich, Kinder vegan zu ernähren.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) spricht sich mittlerweile nicht mehr generell gegen eine vegane Ernährung aus. Gut geplant kann sie bedarfsdeckend sein, wenn man kritische Nährstoffe wie die Supplementierung von Vitamin B12 u.a. berücksichtigt. Da dies jedoch nicht für jeden möglich sei, kann nicht eine generelle Empfehlung ausgesprochen werden.

Für Kinder, die sich im körperlichen Wachstum und in der kognitiven Entwicklung befinden, ist dieses Thema natürlich noch viel wichtiger, als für Erwachsene, dass keine Mängel entstehen. Deswegen sind regelmäßige Tests hier auch so wichtig, dass das Kind mit allem versorgt ist, was es bracht.
Weiter unten schauen wir uns die Nährstoffversorgung genauer an. Bei weiteren Fragen ist es immer gut, einen Ernährungscoach zu Rate zu ziehen, der bei Bedarf einen genauen Ernährungsplan zusammen stellen kann oder auch bei der Umstellung auf pflanzenbasierte Kost für die ganze Familie behilflich sein kann.

Ab wann kann ich Babybrei einführen?

Laut allgemeiner Studienlage sollten Säuglinge bis zum Ende des vollendeten 4. Lebensmonats ausschließlich gestillt werden.
Laut WHO sollte mit der Beikost nicht vor dem 4. Monat begonnen werden. Mit Beginn des 5. Lebensmonats kann man dann mit der Beikost beginnen und empfohlen ist parallel dazu weiter zu stillen.
Einen festen Zeitpunkt kann man für den Start der Beikost nicht pauschal festmachen. Dafür ist jedes Neugeborene zu individuell und sollte bei Unsicherheiten immer mit einer Hebamme oder Ernährungsberater*in besprochen werden.
Empfohlen wird ein Start der Beikost im Alter von 5 bis 7 Monaten. So lange reicht der Eisenspeicher des Babys aus um ohne zusätzliches Eisen über Nahrung auszukommen.
Laut neuester Studien ist es empfehlenswert bis zum zweiten Geburtstag parallel zur Beikost und später dem Familientisch weiter zu stillen.

Anzeichen dafür, dass dein Baby bereit ist

Wichtiger als ein konkretes Datum, sollte dein Kind vielmehr bereit sein. Was heißt das nun genau für DEIN Baby? Dein Kleines sollte Interesse am Essen und am Geschehen am Tisch haben. Es ist deswegen hilfreich schon vorher die Mahlzeiten am Tisch gemeinsam als Familie einzunehmen. Die Babys beobachten und ahmen nach. Kann es dann selbständig sitzen, kann man ihm den ersten Brei anbieten.

Checkliste zur Breikosteinführung

  • dein Baby kann das Köpfchen für einen längeren Zeitraum halten
  • es kann allein sitzen
  • das Baby zeigt Interesse am Essen (es verfolgt genau, wie du isst, es schmatzt und meckert vielleicht sogar, dass es nichts bekommt)
  • der Würgereiz ist nicht mehr zu stark ausgeprägt
Nährstoffe fürs Baby
Basisrezept Mittagsbrei

Mein Baby ist bereit: auch ein mentaler Start für die Eltern

Für Neu-Eltern wie uns, war das eine ganz neue Welt, die sich da auftat. Wir hatten all unser Wissen aus Büchern, die uns die Entwicklung unseres Kleinen in Phasen beschrieb. Sehr hilfreich aber nicht immer passten die Bilderbuchbeispiele wie Schablonen auch auf das eigene Kind:
Stillen – Schnitt – Beikost – Schnitt – nächster Schritt … das klappt nicht immer so wie gedacht. Sorry aber so problemlos funktioniert es nicht zwangsläufig.
Umso wichtiger ist, dass wir bei uns selbst beginnen. In unserem Kopf beginnt die Umstellung. Wir bleiben flexibel, sehen, was unser Baby schon kann und möchte und gehen flexibel darauf ein.
Zu Beginn wird dein Baby die Nahrung vielleicht komplett verweigern, weil es noch nicht so weit ist oder nur wenige Bissen bzw. Löffel annehmen. So war es bei uns und Fragen über Fragen kamen uns in den Kopf und verunsicherten uns ganz schön.
Wenn dann auch noch kritische Fragen von außen dazu kommen, gibt das einem wohl den Rest.
Es kann auch ganz wie geplant verlaufen, aber falls nicht, keine Panik. Gemeinsam gehen wir Schritt für Schritt durch die wichtigen Punkte zum Thema veganer Ernährung bei Säuglingen. Wir geben zusätzlich zum Fachwissen immer wieder Einblicke aus unserem privaten Einblick zur Beikosteinführung mit unserem Sohn und haben leckere Rezepte für die verschiedenen Altersklassen für dich.

1000 neue Empfindungen für das Baby

Die neuen Empfindungen des Babys beim Erkunden der Beikost sind groß. Plötzlich etwas anderes als Milch, nämlich festere Nahrung im Mundraum zu haben, ist etwas ganz Neues.
Dazu kommt, dass Babys zu Beginn ihres Lebens noch über einen sehr ausgeprägten Würgereflex verfügen, der evolutionsbiologisch natürlich Sinn macht und sie vor dem Verschlucken schützt. Nach der Geburt wird dieser Reflex schon sehr weit vorn im Mundraum ausgelöst, wohingegen bei uns Erwachsenen der Reflex weit hinten, oft erst mit Berühren des Zäpfchens ausgelöst wird. Dieses Auslösen des Reflexes geht mit der Gewöhnung immer weiter nach hinten, braucht aber von Baby zu Baby unterschiedlich lange.
Wie weit diese Entwicklung fortgeschritten ist, kann man jedoch erst mit dem ersten Brei herausfinden. Das bedeutet ein gemeinsames Ausprobieren, wobei wir alle nicht zu sehr an gemachten Plänen festhalten sollten. Wenn das Baby noch nicht so weit ist, einfach nochmal einen Gang zurück schalten.
Bei unserem Sohn war der Würgereflex am Anfang stark ausgeprägt und trotz seines Interesses am Essen hat er so stark gewürgt, dass er kaum schlucken konnte. Schon kleine Mengen auf dem Löffel waren dafür ausreichend. Wir haben dadurch nur sehr sehr kleine Mengen gefüttert und manchmal sogar nur seine Lippen mit Brei benetzt, da er die neue Nahrungsform trotzdem spannend fand.
Ein Ausspucken bedeutet nicht zwangsläufig, dass das Baby den Brei nicht mag. Es muss nur die neue Essform erst lernen. Die Bewegung der Zunge beim Essen vom Löffel ist eine andere, als die Bewegung beim Trinken an der Brust oder an der Flasche. Diesen Bewegungsablauf lernt das Baby erst mit der Zeit und wir konnten unserem Kleinen förmlich dabei zusehen, wie er sich mit den kleinen Mengen an Brei im Mund abmühte und zu organisieren versuchte.
Die Breieinführung braucht also Zeit.
Auch wird sich dabei vom Baby immer wieder fleißig in den Mund gefasst und gefühlt. Wir haben unserem Baby den Brei erfühlen und ertasten lassen. Das ist gerade am Anfang eine kleine Schweinerei, ist für das Baby aber total spannend.

Nicht nur Konsistenz, sondern auch der Geschmack sind ganz neue Erfahrungen für unsere Kleinen. Der Geschmackssinn braucht Tage, um sich an eine Gemüse- oder Obstsorte zu gewöhnen. Das Baby kennt nur einen Geschmack. Und dieser Geschmack ist süß, da es den durch den Milchzucker in der Milch kennt. Für jede weitere Geschmacksrichtung braucht es also auch mal wieder Zeit und viele Wiederholungen. Gerade deswegen ist es ratsam mit nur einer Zutat zu beginnen und diese für 7-10 Tage zu füttern, auch wenn uns das sehr langweilig und eintönig erscheint. Nicht nur für den sich ausprägenden Geschmackssinn, sondern auch für den Verdauungstrakt ist das empfehlenswert.


Als letztes haben wir noch den Punkt der Nähe. Bislang war die Nahrungsaufnahme eng mit dem Gefühl der Geborgenheit und Nähe verbunden. Nah bei Mama an der Brust oder bei Papa auf dem Arm mit der Flasche angekuschelt ist es doch die schönste Art satt zu werden. Deswegen kann zu Beginn das Füttern auf dem Schoß, nicht im Hochstuhl, auch eine Möglichkeit für dich und dein Baby sein.
Auch aus diesem Grund empfiehlt es sich, den Babybrei zeitlich nah zum Stillen oder der Flaschennahrung anzubieten. Sie bekommen also zuerst eine kleine Menge an Brei zum Erkunden daran gewöhnen und im Anschluss die Milch zum Sattwerden und Kuscheln. Somit bleibt den kleinen Schätzen das gewohnte Trinken und die damit verbundene Nähe und das Sicherheitsempfinden erhalten.

Baby led weaning

Beikost = Breikost?

Im deutschsprachigen Raum, wie auch weltweit, ist der Brei eine weit verbreitete, jedoch nicht die einzige Form der Babynahrung, nach oder zusätzlich zur Muttermilch. Ob dieser Brei dann in Gläschenform, selbst gekocht, grob zerquetscht oder den Babys vorgekaut gegeben wird, ist dabei stark kulturabhängig.
Beikost muss aber nicht unbedingt Brei-Kost bedeuten, nur weil es eine weit verbreitete Tradition hat. Eine Alternative findet ihr weiter unten in diesem Artikel und nennt sich „Baby Led Weaning“, bei der den Babys von Beginn der Beikost an weiches Essen im Ganzen angeboten wird, das diese selbstständig zum Mund führen und essen. Zu dem Thema Baby Led Weaning gibt es aber auch noch einen eigenständigen Artikel, bei dem ihr gern vorbei schauen könnt.

Mit welchem Brei wird begonnen?

Klassischerweise wird häufig zwischen dem fünften und siebten Lebens­monat mittags mit Gemüsebrei begonnen. Warum am Mittag fragst du dich? Am Mittag war unser Kleiner immer am besten drauf. Er war nicht mehr oder schon wieder müde. ‚
Mit einer neuen Zutat pro Woche sind wir gestartet, was bei uns pürierte Möhre war. Die hatte Saison und da wir selber kochen wollten bot sich die Möhre also an. Im deutschsprachigen Raum sind aber auch Pastinake oder Kürbis häufige erste Breisorten.
Laut gängiger Empfehlung kann man nach 3 Tagen schon eine neue Gemüsesorte einführen. Da der Geschmackssinn und die Verdauung des Babys aber noch ein wenig braucht, um sich auf das jeweilige Gemüse einzustellen, haben wir unserem Kleinen etwas mehr Zeit gegeben. Eine Woche bis sogar 10 Tage kann man sich da Zeit lassen, was sich für uns Erwachsenen ewig anfühlt, aber Geduld. Wenn die Gemüsesorten gut vertragen werden, kam dann stärkehaltiges Gemüse, wie Kartoffel dazu gegeben werden und somit die Lebensmittelzusammensetzung erweitert werden. 

Babybrei pürieren

Wieviel Brei ersetzt eine Milchmahlzeit?

Die Beikostportionen am Anfang sind noch so gering, dass die Energieversorgung zu dem Zeitpunkt komplett durch die Milch gedeckt werden muss. Erst nach und nach steigert sich die Menge, die die Babys zu sich nehmen und damit auch die Nährstoffe. Beginnt man mit 2-3 Teelöffeln, die zum Teil sogar wieder herauskommen, erreicht man erst nach einer Weile eine vollständige Mahlzeit, die eine Milchmahlzeit komplett ersetzt.
Von einer vollständigen Mahlzeit spricht man, wenn das Kind mindestens 120g isst und 2 1/2 Stunden vor und nach der Mahlzeit kein Essen verlangt (Keller, M., and Gätjen, E. (2017) Mutter und Kind gut versorgt). Aber auch hier gilt, schau auf dein Baby. Nicht jedes Kind braucht gleich viel Nahrung und Energie. Unsere Hebammen im Geburtshaus und auch Zuhause haben immer davor gewarnt, dass die Babys nicht snacken sollen, also nicht zu viele Kleinmahlzeiten bekommen sollen, sondern lernen sollen sich an den Hauptmahlzeiten satt zu essen. Erzähl das mal einem Säugling! Unser Kleiner hat einfach nicht so viel auf einmal geschafft. Wir haben es versucht aber er war schnell satt und wollte nicht mehr. Schon nach einer Weile hatte er dann wieder Hunger. Und da er ein kleines Leichtgewicht wart, haben wir ihm dann natürlich etwas angeboten. Kinder essen noch sehr intuitiv und deswegen können wir aus unserer Erfahrung heraus nur sagen, dass es auf die Nahrungsmenge am Ende des Tages ankommt. Wenn sich das Baby nicht nicht zu 100% an euren Plan hält, verzweifelt nicht. Mit ein bisschen Flexibilität kommt ihr gemeinsam gut durch die Zeit.

Die Kleinen schaffen am Anfang nur solch kleine Portionen und und das ist auch gut, denn so kann sich der Magen-Darm-Trakt behutsam auf die Umstellung der Nahrung umstellen. Deswegen ist es ratsam den Brei in verschließbare Eiswürfelbereiter einzufrieren. Am Anfang reicht ein eiswürfelgroßes Portiönchen Brei aus und dient nur zur Gewöhnung. Die Nährstoffe und Kalorien bekommt das Baby dabei ja immer noch durch die Milch.

Was genau braucht mein Baby? – Die Nährstoffversorgung

Egal, ob vegan ernährt oder mischköstlich ernährt, alle Eltern müssen auf eine ausreichende Nährstoffversorgung ihrer Schützlinge achten. Im Übrigen auch alle Erwachsenen für sich selbst, was oft vernachlässigt wird.
Unsere Kinder sind unser höchstes Gut, wodurch vielen oft erst durch eigene Kinder bewusst wird, dass Ernährung ein Thema ist, mit dem sich jeder mehr auseinander setzen sollte.
Mit einer gut geplanten und vollwertig veganen Ernährungsweise ist man in jedem Alter und in jeder Lebensphase gut versorgt, wenn einige wichtige Parameter, auf die wir noch genauer eingehen, eingehalten werden.
Zu diesem Schluss kommen auch mehr und mehr Organisationen und Fachgesellschaften, wir die Academy of Nutrition and Dietetics aus den USA (A.N.D.), die Canadian Paediatric Society  aus Kanada oder die British Nutrition Foundation  aus Großbritannien um nur einige zu nennen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) geht immer noch sehr vorsichtig an das Thema heran. Sie hat sich zu geplant vegetarisch veganer Ernährung im Erwachsenenalter mittlerweile als möglich ausgesprochen, jedoch nicht für Schwangere, Stillende, Säuglinge und Kinder. Ihrer Meinung nach ist eine Versorgung mit den kritischen Nährstoffen nicht möglich.


Kritische Nährstoffe:

 • Protein: Getreide, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen.

Um alle essenziellen Aminosäuren abzudecken, empfiehlt sich eine abwechslungsreiche Kost mit vielen verschiedenen Proteinlieferanten über den Tag verteilt. Mit dieser Kombination erhöht sich die Aufnahme eines vollständigen Aminosäureprofils.
Das bedeutet Vollkorngetreide mit Hülsenfrüchten über den Tag kombinieren. Es müssen nicht alle Proteinlieferanten in jeder Mahlzeit versteckt sein, da die Aminosäuren gut gespeichert werden können für einen Tag. Morgens Haferflocken mit Nussmus, Mittags etwas mit Hülsenfrüchten und/oder Kartoffeln und Abends Vollkornbrot deckt so das gesamte Spektrum der Aminosäuren ab und das Kind ist gut versorgt.
Bedarf: 1,4g Protein pro kg Körpergewicht (4-12 Monate), 1,1 g Protein pro kg Körpergewicht (1-4 Jahre)

Omega-3-Fettsäuren: Leinöl, DHA-angereichertes Pflanzenöl


Angereichert ist schnell mit der Assoziation unnatürlich behaftet, jedoch ist auch der Fisch, in dem Omega-3 viel vorkommt, auch lediglich Sekundärquelle, da der Fisch das Omega-3 durch Algen aufnimmt, wie auch wir nun das Omega-3 aus der Alge direkt aufnehmen.
Die Supplementierung kann ganz einfach über Omega-3-Tropfen im Essen oder der Hafermilch am Abend, wie bei unserem Kleinen, verabreicht werden.
Bedarf: 10-12mg/kg Körpergewicht am Tag (6 Monate-4 Jahre)

Kalzium: Brokkoli, Fenchel, Sesammus, Mandelmus, angereicherte Pflanzendrinks
Wir decken schon einmal einen Großteil des Kalziumbedarfs durch die Kalzium-angereicherte Pflanzenmilch ab (unbedingt aufs Etikett gucken, da nicht jede Pflanzenmilch angereichert ist), die unser Sohn am Abend vor dem Schlafengehen und in seinem Porridge am Morgen bekommt. dazu noch etwas Mandelmus im Porridge und Gemüse zum Mittagessen decken den Bedarf so gut ab.

Bedarf: 220mg/Tag (4-12 Monate)
330mg/Tag (1-4 Jahre)

Eisen: Hafer, Hirse, Amaranth, Roggen, Linsen, Kürbis, Hülsenfrüchte, Haferflocken
Eisen zur besseren Aufnahme immer mit einer Vitamin-C-Quelle kombinieren. Dazu ein bisschen Paprika, Apfel oder Orangensaft geben.

Bedarf: 8mg/Tag (4 Monate-6 Jahre)

Jod: jodhaltiges Mineralwasser, kleine Mengen Nori-Algen

Bedarf: 80µg/Tag

Zink: Hafer, Amaranth, Mandeln/-mus, Cashewkerne/-mus

Bedarf: 2,5mg/Tag

Diese Nährstoffe müssen im Auge behalten werden und dessen Status überprüft werden lassen. Ein/e Ernährungsberater*in kann dir im individuellen Einzelfall am besten zur Seite stehen.

  • Selen: Kokosnüsse, Steinpilze, Pistazien, Paranüsse

Der Selengehalt schwankt leider sehr, weswegen es schwer ist, die Empfehlung der Bedarfsdeckung darüber auszusprechen.

Bedarf: 15mg/Tag (4 Monate-4 Jahre)

  • Vitamin B2 (Rivoflavin): Mandeln, Vollkornprodukte, Haferflocken, Hefeflocken, Champignons, grünes Gemüse wir Brokkoli oder Erbsen

Bedarf: 0,4 mg/Tag (4-12 Monate), 0,7 mg/Tag (1-4 Jahre)

Vitamin D wird im ersten Lebensjahr ärztlich verschrieben, sollte darüber hinaus jedoch gerade auch in den dunklen Monaten unbedingt supplementiert werden. Wir tun dies bei unserem Kleinen ganzjährig. Der Bedarf beträgt im ersten Lebensjahr 10µg/Tag.
Vitamin B12 muss dauerhaft supplementiert werden. Der Bedarf beträgt 20µg/Tag (4-12 Monate) und 20µg (1-4 Jahre) auf 2 mal täglich verteilt, da dann eine bessere Aufnahme gewährleistet wird.

Die Empfehlungen beziehen sich auf Kinder und sind die Werte der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Bis auf die Ausnahmen Vitamin D und Vitamin B12 kann das Baby alle potenziell kritischen Nährstoffe auch bei veganer Ernährung über die gut geplante Ernährung abdecken.

Wie verpacke ich die Nährstoffe kindgerecht?

Proteine: Unterschiedlichste Proteinlieferanten über den Tag verteilt wären z.B. ein Porridge aus Haferflocken und Leinsamen zusammen mit Obstpüree zum Frühstück,

Kalzium: Kalziumangereicherte, ungesüßte Pflanzenmilch kann pur genossen oder bei der Zubereitung von Porridge oder Smoothies zum Einsatz kommen. Mit 120 mg pro 100 ml ist damit für die Kleinsten schon mehr als 1/3 des Tagesbedarfs gedeckt.

  • Brei oder Porridge: in den Brei ist es am leichtesten Nährstoffe aller Art zu mischen. Für eine kalziumreiche Mahlzeit kann beispielsweise Sesammus oder Mandelmus untergemischt werden. Auch kann eine kleine Menge Gemüse wie gedünsteter Brokkoli in einen süßen Brei untergemischt werden. Besonders mit geschmacksdominanter Banane sind so viele Zutaten einfach überdeckt. Hier kommst du zu unserem leckeren Zucchiniporridge mit Mandelmilch und zum Süßkartoffel-Porridge, die übrigens der ganzen Familie schmecken.
    Für einen Mittagsbrei könnt für ein Basisrezept bei unserem Süßkartoffel- Karottenbrei vorbei schauen.
  • Pancakes oder Babymuffins: Natürlich sind diese Backwaren alle zuckerfrei. Zum Süßen benutzen wir Banane oder geriebene Früchte. Dazu verwenden wir Vollkornmehle, da diese sehr viel mineralischer sind als weiße Auszugsmehle. Gekochte und pürierte Hülsenfrüchte reichern die Kuchen zusätzlich mit Protein an. Auch hier hinein mixen wir Nussmus um sie gehaltvoller zu machen.
    Unser Sohn mochte nach kurzer Zeit Babybrei nicht mehr so gerne und hat dann schon feste Nahrung bevorzugt. Um ihn mit allen Nährstoffen zu versorgen, haben wir häufig alles in Gebäck verbacken, was normalerweise im Brei ist. Hier unsere Lieblingsrezepte für Protein-Pancakes mit Kichererbsen und Bananenmuffins
  • Snacks: Kleine Snacks sind manchmal echte Lebensretter, um die Laune oben zu halten. Die sind so schnell selbst gemacht und du weißt, was drin ist. Natürlich kann auch hier immer nach Lust, Laune, Nährstoffbedarf und dem Geschmack deines Babys abgewandelt werden. Die Dinkelkekse sind ein echtes Basisrezept, die tolle Begleiter für unterwegs sind.

Welcher Babybrei ist für welches Alter geeignet?

Es ist gut deinem Kind erstmal nur eine Breisorte anzubieten (z.B. nur Karotten, nur Kürbis oder nur Pastinake) und ihm die gleiche Breisorte für 7-10 Tage zu geben. Das bedeutet eine Breisorte, in dem nur eine Gemüsesorte verarbeitet ist. Das klingt erstmal lang und auch langweilig und wird oft auch weitaus kürzer empfohlen, aber sowohl das Verdauungssystem, als auch der Geschmack brauchen Zeit, um sich an das neue Nahrungsmittel zu gewöhnen.

Häufig fängt man mit Gemüsebrei an, weil dieser zum einen leicht verdaulich ist und außerdem nicht so süß wie Obstbrei ist. Würde man direkt mit Obst starten, ist die Chance größer, dass der später angebotenen Gemüsebrei dann nicht mehr so gern gegessen wird. Und so können wir unsere kleinen Leckermäuler etwas austricksen und ihnen die leckere Vielfalt von Gemüse näher bringen.

Während der Babybrei für die 4-6 Monate alten Babys komplett püriert angeboten werden sollte, können wir den Brei im 8.-10. Monat ruhig stückiger anbieten, damit die Babys sich langsam ans Kauen gewöhnen. Ab dem 11./12. Monat sind dann auch größere Stücke gut, da das Baby dann beginnt mehr und mehr mit vom Tisch zu essen und so noch aktiver am Familientisch teilnimmt.

Jedes Kind hat andere Vorlieben zur Konsistenz des Breis, deswegen pass ihn einfach nach den Vorlieben und das Zurechtkommen mit dem Brei deines Babys an.
Unser Kleiner mochte Brei nicht so gern, weswegen wir den Brei stückiger gelassen hatten. Er hatte glücklicherweise keine Probleme beim Schlucken. Da deswegen immer etwas vorsichtiger sein und das Baby während des Essens gut im Auge behalten, besonders wenn eine neue Konsistenz oder Zutat eingeführt wird.

Welcher Babybrei für welches Alter

Was darf mein Baby (noch) nicht?

Einige Lebensmittel sollten dem Baby im ersten Lebebensjahr noch nicht angeboten werden. Dazu zählen:

• unerhitzter Honig, da dieser zu einer ernsthaften Lebensmittelvergiftung führen kann, da die Darmflora des Säuglings noch nicht aufgebaut ist .

• stark gebratene, gegrillte oder frittierte Lebensmittel, da diese einen hohen Fettgehalt aufweisen und schlecht verträgliche Röststoffe besitzen. Diese können zu Durchfall und/oder Übelkeit führen.

• Salz belastet die Nieren des Babys und darf, wenn überhaupt, nur in sehr kleiner Dosis verabreicht werden. Wir haben im ersten Jahr komplett auf Salz verzichtet und versuchen das auch noch so gut es geht weiter zu machen.

Muss es Brei sein? – „Baby Led Weaning“ als Alternative

Nein, es muss nicht unbedingt Brei zu Beginn der Beikost sein. Wenn du Brei nicht für die richtige Form hälst, da du ja auch keinen isst, ist das überhaupt kein Problem. Wer also Brei komplett beiseite lassen möchte, kann sich ab dem 6. Monat für BLW (Baby-Led Weaning) entscheiden.
Bei dieser Methode steuert das Kind selbst die Beikosteinführung und stillt sich damit selbst ab, so die Theorie. In der Praxis wird dabei dem Kind feste Nahrung in Form von gedünstetem Gemüse und weichen Obstsorten, wie Birne, Wassermelone, Pfirsich oder Banane, angeboten. Das Baby bekommt die Freiheit, eigenständig die Lebensmittel und deren Struktur, Konsistenz und Geschmack zu entdecken. Die Eltern sind dabei die Vorbereiter des Essens: Sie kochen und schneiden das Essen. Die Kinder greifen zu, erforschen mit den Händen und dem Mund und essen eigenständig und in ihrem eigenen Tempo.

Falls du mehr zu diesem Thema lesen möchtest kannst du gern bei unserem Blogpost zum Baby Led Weaning vorbei schauen, der ganz bald veröffentlicht wird.

Wir persönlich haben uns für eine Kombination aus beidem entschieden. Unser kleiner Schatz hat erst sehr spät aktiv das Geschehen am Tisch beobachtet. Dadurch haben wir zuerst mit etwas Brei angefangen und seine Lippen damit mehr benetzt, als dass man von essen sprechen könnte. Das fand er spannend und hat sich dann langsam zu Interesse gesteigert. Danach gegriffen hat er allerdings noch nicht. Wir hätten wohl auch warten können, doch so haben wir uns für eine kombinierte Variante gewählt, ohne je wirklich bewusst entschieden zu haben.
Deswegen ist uns auch so wichtig zu sagen, dass die Eltern bei dem ganzen Beikost-Thema (und eigentlich alles die lieben Kleinen betreffend) auf ihr Bauchgefühl hören müssen. Es muss sich richtig anfühlen. Impulsaktionen können später nochmal durchdacht, Ideen reflektiert und zehn Bücher und acht Blogs gelesen werden. Am Ende muss aber trotzdem auf die eigene Intuition und das innerste Gefühl gehört werden. Man merkt recht schnell, ob etwas zu einem selbst und dem Baby passt oder nicht. Hör immer mal wieder in Ruhe in dich hinein, was bei dem ganzen Trubel manchmal nicht so einfach ist. Aber du schaffst das!

BLW- Gemüsesticks
Gemüsesticks zum Dünsten

Vegan ist nicht immer gleich gesund

Als letztes haben wir einen Punkt, der für einige ganz logisch ist und für andere doch immer wieder nach einem Widerspruch klingt. Vegan zu essen heißt nicht eine Diät zu machen. Es bedeutet nur eine Entscheidung gegen Tierprodukte.
Man kann Veganer sein und sich dabei trotzdem ungesund ernähren. Dies liegt daran, dass es mittlerweile immer mehr Fertiggerichte und Süßigkeiten auch in einer veganen Variante gibt. Wer sich also täglich aus Pflanzenburgern, Sojaschnitzeln, veganer Schokolade und anderen Süßigkeiten ernährt, isst damit genauso ungesund, wie jeder andere, der regelmäßig zu stark verarbeiteten Lebensmitteln greift.
Gerade bei der Ernährung von Kindern ist von Fertigprodukten abzuraten, da in der Regel zu viel Salz, Zucker und Geschmacksverstärker darin stecken. Um Kindern ein möglichst pures Geschmacksempfinden zu ermöglichen, sollte also möglichst auf stark verarbeitete Produkte verzichtet werden. Einfach nur alle tierischen Produkte in ihrer veganen Variante zu ersetzen, ist nicht gesund. Natürlich ist in Maßen verzehrt alles okay, achte jedoch bei der Menge von Zucker, Salz und Geschmacksverstärkern gut darauf, dass es bei Kindern eine Ausnahme darstellen muss. Gerade bei den Kleinen Kindern haben wir es in der Hand, was für ein Geschmack erlernt wird. Kennt unser Kind nur sehr extreme Geschmäcker, wird es sich ein Leben lang so ernähren wollen und jede Gurke wird nicht zu der Geschmacksexplosion führen, wie es vielleicht ein andere Produkt tut. Ein Umgewöhnen ist dann viel schwerer, als Kinder von Anfang an einen guten Umgang mit sich selbst, den Tieren und der Umwelt zu vermitteln. Da darf es natürlich auch mal etwas Süßes sein. Für die Kleinen, die noch gar keinen Zucker bekommen, passen da unsere veganen Butterplätzchen oder die Bananen Muffins gut. Für die Älteren sind vielleicht unsere Erdnussbällchen als Snack zwischendurch genau das richtige.

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